Podcast

Auf dem Weg als Anwält:in

Duri Bonin reflektiert mit Gästen über Fragen rund um die Arbeit als Anwalt und Strafverteidiger: Was macht eine gute Anwältin aus? Wie organisiert man die Anwaltstätigkeit? Wie handhabt man den Umgang mit Klienten, Gegenanwälten, der Polizei, der Staatsanwaltschaft und den Gerichten? Was zeichnet ein gutes Plädoyer aus? Wie legt man sich eine Verteidigungsstrategie zurecht? Der spannenden Fragen sind vieler. Es ist ein Weg ins Urmenschliche, manchmal gar Allzumenschliche. Abobutton klicken und keine Folge verpassen.

#25 Illegale Klientenwünsche

6.9.19

Mitunter gelangen inhaftierte Personen mit illegalen Wünsche an ihren Strafverteidiger. Im jüngsten Fall hat ein Inhaftierter versucht, die Postzensur der Staatsanwaltschaft zu umgehen, indem er seinem Anwalt Duri Bonin mit der vertraulichen Anwaltspost Briefe für diverse andere Personen mitgeschickt hat. Ein anderers Beispiel wäre die Bitte, einen Kassiber (= unerlaubte schriftliche Mitteilung eines Häftlings an einen anderen oder an Außenstehende) aus dem Gefängnis zu „schmuggeln“ oder gar Beweismittel verschwinden zu lassen. Wenn man sich als Strafverteider auf solche „Gefälligkeiten“ einlässt, gerät man in Teufels Küche und macht sich erpressbar.

#24 Ein Flüchtiger meldet sich

4.9.19

Die Polizei hat einen Beschuldigten observiert und wollte diese daraufhin verhaften. Beim Zugriff war der Beschuldigte jedoch verschwunden. Die Polizei tauchte daraufhin wiederholt bei den Angehörigen auf. So erfuhr der Beschuldigte, dass man ihn sucht, worauf er den Kontakt zu seinem Strafverteidiger Duri Bonin suchte. Sandra erlebt zum erstenmal mit, was es heisst, von der Polizei gesucht zu werden, wie man sich stellt und welchen „Weg“ eine verhaftete Person zu gehen hat: Von der Einvernahme bei der Polizei in der Kaserne, über die Inhaftierung im „provisorischen“ Polizeigefängnis (ProPoG) bis zur Hafteinvernahme der Staatsanwaltschaft im sog. „Ständigen Transport“.

#23 Überbringen schlechter Nachrichten ins Gefängnis

30.8.19

Ausgerechnet während Duri Bonin’s Ferienabwesenheit geht ein Kurzgutachten (sog. forensisch-psychologischer Befundbericht) über die Gefährlichkeit einer wegen einer versuchten Tötung inhaftierten Person ein. Und der Befund ist für den Inhaftieren alles andere als gut: Es wird eine hohe Gefährlichkeit attestiert, womit sich die (grosse) Hoffnung nach Haftentlassung zerschlägt.

Sandra entscheidet sich, den Inhaftierten nicht bis zur Ferienrückkehr von Duri warten zu lassen, sondern den Befund dem Inhaftierten zu eröffnen. Es ist ihr erster Gefängnisbesuch alleine und erst ihr zweiter Gefängnisbesuch überhaupt! Duri und Sandra unterhalten sich, wie Sandra diesen Besuch erlebt hat.

Chancen der Adoleszenz (Einordnung des Interviews mit Edi)

Daraus ist ersichtlich, dass das Erreichen der Volljährigkeit nach Schweizer Recht bei meinem Mandanten nicht mit der geistigen Reife korrespondierte. Entsprechend hörte auch die Delinquenz nicht einfach mit dem 18. Lebensjahr auf. Die Adoleszenz hat vielmehr ihren eigenen Fahrplan: Es ist dies eine Phase im Leben, welche mit einem hormonell angetriebenen Motor zu vergleichen ist. Neurologen führen ein solches auf den fundamentalen Umbau des Vorderhirns zurück. In dieser Lebensphase ist auch der Einfluss der Peer-Group besonders hoch und Eltern wie auch die staatlichen Behörden verlieren zwangsläufig ihre Vorbilds- und Spiegelfunktion.

Der angesehene Psychoanalytiker Mario Erdheim hat folgende These für das jugendliche Fehlverhalten „Der Adoleszente, dessen Entwicklung nur körperlich abgeschlossen ist, wiederholt in einem anderen Milieu, was vorher schief gegangen ist. Da er in der Pubertät nun seine geistigen und emotionalen Fähigkeiten ausbildet, um in der Erwachsenenwelt bestehen zu können, ist die Chance gross, einstige Enttäuschungen und Vertrauensverluste dank Wiederholungen zu überwinden.“

Der Jugendliche versucht demnach, Defizite aus früheren Lebensphasen wieder gut zu machen. Bei meinem Mandanten ist leider in der frühen Lebensphase besonders viel schief gelaufen. Vor diesem Hintergrund wird verständlicher, weshalb mein Mandant über Jahre ein Getriebener war. Dies lag nicht nur an der Pubertät. Respektive die Pubertät zeigte sich besonders stark aufgrund seiner Kriegstraumatisierung.

Was passiert nun psychisch mit den Verletzungen, wenn das Individuum in die Pubertät und Adoleszenz kommt? Studien zeigen, dass der Adoleszenz das Vermögen innewohnt, Schäden, Defizite, Wunden aufzuheben, die in der frühen Kindheit und danach entstanden sind. Wie ist sowas möglich? Es kommt dadurch zustande, dass Erfahrungen aus der Kindheit in einem neuen, nämlich adoleszenten Kontext für das Subjekt zugänglich werden, und das heisst nicht mehr in der für das Kind charakteristischen Abhängigkeit von der Familie, sondern in einem neuen, vom Adoleszenten geschaffenen Rahmen. Es sind nun die „Anderen“, die Ängste aushalten müssen, während der Heranwachsende „sein“ Leben führt und sich an keine Regeln halten will. Was einst passiv erlitten wurde, wird jetzt in der Adoleszenz aktiv angegangen. Edi Verhalten war demnach Verarbeitung und Abwehr zugleich, indem er versuchte, seine Umwelt zu kontrollieren, damit er seinerseits nicht mit seiner inneren Ohnmacht konfrontiert wurde und das in der Kindheit Erlittene verarbeiten konnte. Im Vordergrund stand letztlich der Schutz der eigenen Psyche in einer teils inadäquaten und sozialunverträglichen Art und Weise.

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#22 Vom Einfordern von Kostenvorschüssen

28.8.19

Während der Ferienabwesenheit von Duri Bonin ist ein Klient mit einer dringenden Mandatsanfrage an Sandra gelangt. Dies brachte Sandra in die Lage, erstmals selbst einen Kostenvorschuss verlangen zu müssen, worauf der Klient sich nicht mehr meldete. Diesen Umstand nehmen Sandra und Duri zum Anlass, sich über Kostenvorschüsse zu unterhalten. Auch sprechen sie über die Problematik, dass man die Klienten bei der Frage nach den sinnvollen Rechtsschritten anleiten muss und nicht einfach durchführt, was diese einfordern.

#20 Sandra erkennt Fallstricke der Venia

Während Duri Bonin’s Ferien ergeben sich die Notwendigkeiten dringender Eingaben an die Obergerichte der Kantone Aargau und Thurgau. Sandra erkennt, dass sie Duri vor ausserkantonalen Gerichten nicht vertreten darf, da ihre Vertretungsbewilligung (Venia) eine kantonale Bewilligung (§ 5 AnwG) darstellt und deshalb nur für den Kanton Zürich gilt. Eine allfällige Vertretungshandlung in anderen Kantonen wäre ungültig. Und Sandra würde sogar Gefahr einer Bestrafung laufen: Beispielsweise gemäss § 40 AnwG des Kantons Zürich wird mit Busse bis 20’000 Franken bestraft, wer im Bereich des Anwaltsmonopols tätig ist, ohne dazu berechtigt zu sein. Es bleibt von daher keine andere Wahl: Sandra muss Duri vom Strand an seinen Computer beordern.

#19 Bändigung der Anwaltsprüfung

Die Überarbeitung der
Lernhilfen für die Anwaltsprüfung
ist eine zeitaufwendige und „niefelige“ Arbeit. Duri Bonin ist entsprechend froh, dass Sandra ihm bei der Überarbeitung der Lernhilfen hilft. Sandra wird bei dieser Gelegenheit bewusst, wie gross die Stoffmenge bei der Anwaltsprüfung ist. Wie denn Duri mit dieser umgegangen sei?

Wichtig ist in seinen Augen, dass man sich schnellst möglich gute Gesetzeskenntnisse verschafft, damit das Lösen von juristischen Fällen früh möglich wird. Dadurch eigne man sich nicht „blosses“ Wissen an, sondern zusätzlich Techniken für das Lösen von juristischen Fällen. Sandra müsse bedenken: Wissen gehe schnell vergessen und veralte, auf juristische Techniken könne aber immer zurückgegriffen werden; dies sei ein unschätzbarer Vorteil. Diese Vorgehensweise habe zudem den weiteren Vorteil, dass das Wissen (fall-) strukturiert aufgenommen werde und dadurch leichter ins Langzeitgedächtnis gelange.

Weitere Podcastreihen von Duri Bonin

  • Auf dem Weg zur Anwältin
  • Interview aus dem Gefängnis
  • Fragen den Anwalt
  • Mit 40i cha mers mit de Tiger
  • Strafverteidigung

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