Organisation der Kinderbetreuung nach der Trennung

Oberstes Prinzip für die Frage, welcher Elternteil die alltägliche Betreuung (Obhut) der Kinder übernehmen soll, ist das Kindeswohl.

Alternierende Obhut

Folglich ist die alternierende Obhut nicht der Regelfall. Das Gericht muss vielmehr anhand der konkreten Umstände prüfen, ob die alternierende Obhut im Interesse des Kindes liegt.

Prüfungskriterien für alternierende Obhut

Das Bundesgericht nennt hierzu diverse Kritieren:

  • Erziehungsfähigkeit der Eltern;
  • deren Kommunikations- Kooperationsbereitschaft; 
  • Distanz zwischen den Wohnorten;
  • Bisherige Lebensführung;
  • Möglichkeit der persönlichen Betreuung;
  • Alter des Kindes;
  • Beziehung zu Geschwistern und Einbettung ins weitere soziale Umfeld;
  • Wunsch des Kindes.

Stabilität der Verhältnisse

Gemäss dem Bundesgericht ist für das Wohl des Kindes namentlich die Stabilität der Verhältnisse von entscheidender Bedeutung. Dem Kind sind demnach möglichst wenig Veränderungen zuzumuten, da dieses aufgrund der Trennung der Eltern schon stark belastet ist. Zu dieser Problematik erlaube ich mir namentlich den Verweis auf meinen Blogbeitrag „Kinder im Scheidungskonflikt“ vom 2. August 2022. Vor diesem Hintergrund vertritt das Bundesgericht die Meinung, es sei das während der Beziehung gelebte Modell nach Möglichkeit beizubehalten. Dies gelte insbesondere, solange das Kind noch jünger sei.

Neuorganisation eines Elternteils

Deshalb ist es gemäss Bundesgericht auch nicht ohne Weiteres sinnvoll, dass der eine Elternteil nach der Trennung nicht mehr Vollzeit arbeitet und sich stattdessen zwei oder drei Tage um das Kind kümmert. Alleine die Trennung berechtigt einen Elternteil auf jeden Fall nicht dazu, sich derart neu zu organisieren. Vielmehr ist vorgängig eine umfassene Interessenabwägung vorzunehmen, ob ein solches im Interesse des Kindes liegt.